Alte Ziegelsteine: Reichsformat, Klinker und Preise

Reichsformat, Normalformat oder Klosterformat, Ziegel oder Klinker: was alte Ziegelsteine kosten, wie viele du brauchst und wie du gute Steine erkennst.

Gestapelte alte Ziegelsteine mit unregelmäßigen Kanten

Alte Ziegelsteine erzählen Geschichte: Kalkmörtel an den Kanten, Farbspiel vom Feldbrand, manchmal sogar der Stempel einer längst verschwundenen Ziegelei. Ob für eine Gartenmauer, eine Sichtziegelwand im Loft oder die Reparatur eines Altbaus, gebrauchte Ziegel sind gefragt. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Formate es gibt, was das Reichsformat ist, worin sich Ziegel und Klinker unterscheiden, was alte Steine kosten und wie du gute von schlechten unterscheidest.

Kurz gesagt: Ein alter Ziegelstein kostet meist 0,90 bis 1 € pro Stück, eine Palette mit rund 400 bis 500 Steinen 230 bis 280 €. Das typische alte Format in Deutschland ist das Reichsformat mit 25 × 12 × 6,5 cm. Für einen Quadratmeter Mauer in halber Steinbreite brauchst du etwa 50 Steine. Alte Ziegelsteine und Klinker von Händlern und privaten Anbietern findest du direkt auf restado.

Ziegel, Backstein oder Klinker: Was ist der Unterschied?

  • Ziegel und Backstein meinen dasselbe: einen aus Ton oder Lehm geformten und im Ofen gebrannten Stein. „Backstein“ ist vor allem in Norddeutschland gebräuchlich. Gewöhnliche Mauerziegel werden bei etwa 900 bis 1.000 °C gebrannt, sind porös und nehmen Wasser auf. Viele alte Ziegel waren deshalb für verputzte oder innenliegende Wände gedacht.
  • Klinker werden heißer gebrannt, bis der Ton an der Oberfläche zu sintern beginnt. Dadurch sind sie dichter, härter und nehmen kaum Wasser auf. Klinker sind frostbeständig und eignen sich für Fassaden, Sockel, Pflaster und Gartenmauern.
  • Vollziegel und Lochziegel: Fast alle alten Mauersteine sind Vollziegel, also massiv. Moderne Hochlochziegel haben senkrechte Löcher, die Gewicht sparen und besser dämmen. Für Sichtmauerwerk mit altem Charakter sind Vollziegel die richtige Wahl.

Formate: Reichsformat, Normalformat und Klosterformat

Das Format ist bei alten Ziegeln wichtiger als bei neuen. Wer eine bestehende Mauer ergänzen oder ein denkmalgeschütztes Gebäude reparieren will, braucht Steine im passenden Maß, sonst stimmen die Fugen nicht.

FormatMaße (L × B × H)Verbreitung
Klosterformatca. 28–30 × 13–15 × 8–10 cm, stark schwankendMittelalter und frühe Neuzeit, Kirchen und Klöster in Norddeutschland
Reichsformat (RF)25 × 12 × 6,5 cmAb 1872 im Deutschen Reich vereinheitlicht, typisch für Gründerzeit-Bauten
Oldenburger Formatca. 22 × 10,5 × 5,2 cmNordwestdeutschland
Waalformatca. 21 × 10 × 5 cmNiederlande und Grenzregion
Normalformat (NF)24 × 11,5 × 7,1 cmHeute üblich, genormt nach DIN 105
Dünnformat (DF)24 × 11,5 × 5,2 cmHeute üblich, häufig für Verblendmauerwerk

Reichsformat und Normalformat sehen ähnlich aus, sind aber nicht kompatibel. Der alte Stein ist einen Zentimeter länger und einen halben Zentimeter breiter. In einer Wand mit Verband passen sie deshalb nicht zusammen. Miss vor dem Kauf ein paar Steine deiner bestehenden Mauer nach und gib das Maß bei der Suche an.

Was kosten alte Ziegelsteine?

Für diesen Ratgeber haben wir die Angebote für Mauerziegel und Klinker ausgewertet, die zwischen 2023 und Oktober 2026 auf restado eingestellt wurden. Dachziegel, Riemchen und Naturstein sind nicht enthalten.

AngebotÜbliche SpanneMittlerer Preis
Alte Ziegel und Klinker, pro Stück0,50–1 €ca. 0,95 €
Reichsformat, pro Stück0,90–1 €ca. 1 €
Private Restmengen, pro Stück0,20–0,70 €, oft auf Verhandlungsbasis–
Palette (meist 400–500 Steine, gereinigt)150–400 €ca. 260 €
Handgestrichene Form- und Bogensteine3–5 € pro Stückwenige Angebote

Gereinigte, sortierte Steine von Händlern kosten mehr als ungeputzte Steine direkt vom Abriss. Bei ungeputzter Ware sparst du Geld, musst aber Zeit für das Abschlagen des Mörtels und mehr Bruch einplanen. Rechne außerdem den Transport mit ein: Ein Reichsformat-Vollziegel wiegt etwa 3,5 kg, eine Palette mit 450 Steinen also rund 1,6 Tonnen.

Wie viele Ziegel brauche ich?

  • Halbsteinige Wand (11,5–12 cm dick): etwa 50 Steine pro m² bei Normal- und Reichsformat, etwa 65 bei Dünnformat.
  • Einsteinige Wand (24–25 cm dick): etwa 100 Steine pro m².
  • Reserve: Plane bei geputzten Steinen 5 bis 10 % mehr ein, bei ungeputzten Steinen eher 15 %.

Eine Gartenmauer von 6 m Länge und 1 m Höhe in halber Steinbreite braucht also rund 300 Steine plus Reserve, also eine knappe Palette.

Gute alte Ziegel erkennen

  • Klopfprobe: Schlag zwei Steine leicht gegeneinander. Ein heller, klarer Klang spricht für gut gebrannte, rissfreie Steine. Ein dumpfer Klang deutet auf Risse oder zu schwach gebrannte Ware hin.
  • Kratzprobe: Weiche, blassrote Steine lassen sich mit einem Schlüssel ritzen. Sie sind für innen geeignet, draußen aber nicht frostsicher.
  • Wassertropfen: Zieht ein Tropfen sofort ein, ist der Stein sehr porös. Für Außenmauern ohne Putz eignen sich besser Klinker oder hart gebrannte Vormauerziegel.
  • Herkunft: Frag, aus welchem Gebäude die Steine stammen. Steine aus Innenwänden waren nie Wetter ausgesetzt. Steine aus Ställen können Salze enthalten, die später weiß ausblühen. Steine aus Schornsteinen sind mit Ruß belastet und gehören nicht in Wohnräume.
  • Echt alt oder auf alt gemacht: Neue Steine in „Antik-Optik“ sind gleichmäßig in Maß und Farbe und haben keine Mörtelreste. Echte Altziegel schwanken in der Größe, haben Kalkmörtelreste auf mehreren Seiten und oft eine unregelmäßige Rückseite.

Alte Ziegel reinigen

Ziegel aus alten Gebäuden sind meist mit Kalkmörtel vermauert. Der ist weich und lässt sich mit einem Maurerhammer oder einem Fäustel und Meißel gut abschlagen. Schwieriger ist harter Zementmörtel aus späteren Reparaturen: Hier brechen beim Abschlagen mehr Steine. Säure solltest du bei weichen Ziegeln nicht verwenden, weil sie den Stein angreift. Bei größeren Mengen lohnt es sich, gleich gereinigte Ware zu kaufen.

Wofür sich alte Ziegel eignen

  • Garten: Mauern, Hochbeete, Kräuterspiralen, Beeteinfassungen und Wege. Für Bodenbeläge draußen sind Klinker die bessere Wahl.
  • Innenräume: Sichtziegelwände, Kaminverkleidungen (nicht im Brennraum), Küchenrückwände und Ziegelböden.
  • Altbau und Denkmalschutz: Reparatur von Fassaden, Gewölben und Gartenmauern mit Steinen im originalen Format.
  • Dünn aufgeschnitten: Als Riemchen und Verblender bekommst du die Optik alter Ziegel auch auf bestehende Wände, ohne eine tragende Mauer zu bauen.

Alte Ziegelsteine finden oder verkaufen

Du reißt ein altes Gebäude ab oder baust um? Gut erhaltene Ziegel sind zu schade für den Container. Auf restado kannst du sie kostenlos inserieren. Gib Format, Menge, Zustand (geputzt oder ungeputzt) und den Abholort an und zeig ein Foto mit Zollstock, dann wissen Käufer sofort, woran sie sind.

Weiterlesen: Alte Dachziegel nachkaufen, Kopfsteinpflaster und Baustoffe zu verschenken.

Häufige Fragen

Was kostet ein alter Ziegelstein?

Gereinigte alte Ziegel und Klinker kosten meist 0,90 bis 1 € pro Stück, auf der Palette etwa 0,50 bis 0,70 € pro Stein. Private Restmengen gibt es oft ab 0,20 €, manchmal auch zu verschenken.

Wie groß ist ein Ziegel im Reichsformat?

Ein Reichsformat-Ziegel misst 25 × 12 × 6,5 cm. Das Format wurde 1872 im Deutschen Reich eingeführt und ist typisch für Bauten der Gründerzeit.

Wie viele Ziegelsteine brauche ich für einen Quadratmeter?

Für eine Wand in halber Steinbreite brauchst du etwa 50 Steine pro m², für eine Wand in ganzer Steinbreite etwa 100. Plane 5 bis 15 % Reserve ein.

Sind alte Ziegelsteine frostbeständig?

Klinker und hart gebrannte Vormauerziegel ja. Weiche Ziegel aus Innenwänden oder verputzten Fassaden sind oft nicht frostbeständig und können draußen abplatzen. Mit der Klopf- und Kratzprobe kannst du das grob prüfen.

Kann ich Reichsformat und Normalformat zusammen vermauern?

In derselben Wand nicht sinnvoll, weil Länge und Breite verschieden sind und der Verband nicht aufgeht. Für Reparaturen an alten Mauern brauchst du Steine im originalen Format.

Aktuelle Angebote für alte Ziegelsteine

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